Ohne Glas, das meine Ränder fasst, ohne Silberhaut, die mir ein Gesicht leiht, bleibe ich ein Geräusch im Dunkeln, ein Schritt im Nebel, ein Atemzug, der sich nicht verorten will. Ich bin nicht die Linien, die mir morgens antworten, nicht das Lächeln, das ich mir selbst zurechtrücke, nicht das fremde Bild, das ich für mich auswendig gelernt habe. Vielleicht bin ich nur Hände, die im Stoff einer Jacke verschwinden, oder ein Herzschlag, der unter all den Namen schlägt, die mir gegeben wurden. Ohne Spiegel ist meine Haut kein Rahmen, meine Augen sind nicht Fenster, sondern Feuerstellen. Ich sehe mich in den Stimmen anderer, in den Schatten, die ich werfe, in den Furchen, die das Lachen in Gesichter gräbt, die nicht meines sind. Vielleicht bin ich der Regen, der sich nicht fragt, wie er aussieht, oder das Meer, das sich nur kennt durch den Geschmack des Salzes in seinem Mund. Ohne Spiegel bin ich mehr Frage als Antwort, mehr Werden als Sein, ein Gedicht ohne Schluss, das sich selbst weiterschreibt im Atem derer, die mich erinnern, und im Schweigen derer, die mich vergessen. Und vielleicht— genau dort, in diesem formlosen Dazwischen, bin ich am wahrsten. ~ clarissa 🏹